Risse im Mauerwerk

Weg mit dem Riss im Mauerwerk 

Wer kennt das nicht? Einzug in ein neu gebautes Heim und kurze Zeit danach zeigen sich die ersten Risse im Mauerwerk. 

Aber, so weit so normal dass sich heut zu Tage, bis Jahre nach dem Bau ein Riss nach dem anderen in gemauerten Wänden bildet. 

Grundsätzlich muss ein Bau nach getaner Arbeit natürlich “ruhen”. Aber danach dürfte sich keine neuer Riss mehr bilden.
Diese Ruhezeit wird den Bauten heute nicht mehr vor dem eigentlichen Innenausbau gewährt. 

Wenn sich nach der “Ruhezeit” neue Risse oder sich weiter vergrößernde Risse bilden, kann dies auch oft ein Fall für den Statiker sein, der dann die Standfestigkeit des Bauteils beurteilen muss.

Weitere Ursachen für Risse, neben dem anfänglich normalen Material Schwund von Mauersteinen und Stahlbeton, sind vor allem Pfuscharbeiten beim Mauern.

Wenn man häufig den Profis vom Bau zusieht kann man beobachten, wie nicht einmal ansatzweise vollflächig verfugt wird oder aber auch auf stark verschmutztem Untergrund aufgemauert wird. Ansammlungen von Baudreck, Sand und Mörtelresten sind kein gutes Fundament für eine Mauer und führen ebenfalls zu Setzungen mit Rissen. Auch ist die Missachtung von Vorschriften zu Temperatur und Niederschlag beliebt.

Da sollte jeder Bauherr immer ein Auge drauf haben.

Bevor ich mit den Arbeiten des Öffnens der Risse beginne, veranschauliche ich diese mit einem passenden Stift, um ja keinen Riss zu vergessen. 

Wie bekommt man die Risse nun zu?

Beliebt und häufig angewandt ist das Zuschmieren mit Gips oder Acryl. Was meist nur begrenzt hält und durch die aufgebrachte Armierungsbahn letztendlich der Wand eine organisch wohnliche Beulenpestoptik verleiht. Es soll manchmal auch Silikon auf die Risse geschmiert werden, aber das stelle ich mir hier lieber erst gar nicht vor. 

Mein bevorzugtes Verfahren ist das Verklammern von Rissen! 

Hierfür gibt es fertige Systeme aus gedrehtem Edelstahl-Vierkantstab, der im System mit einem Epoxmörtel geklebt wird.
Oder man verwendet  geeignete Stücke Armierungsstähle aus Edelstahl, hier ebenfalls mit Epoxmörtel.
Neuerdings werden auch Karbonarmierungen angeboten.

Wie verarbeiten?

Ich fräse die Risse mit einer gewöhnlichen Mauernutfräse 30 mm tief und 12 mm breit, entlang des Risses auf. Um diese Stellen später möglichst vollständig füllen zu können.

Dann fräse ich quer zum Riss in dichten Abständen einzelne Nuten für die Armierungsstäbe, die etwa eine Mauerstärke lang sind.

Ein Aufstemmen von Hand kommt eigentlich nicht in Frage, da die Wand hierbei erheblich leiden würde.

Es spart eine Menge Arbeit alles sehr sorgfältig  abzustauben und  die Ränder der Nuten mit Krepp oder Panzerband abzukleben. Das Abkleben verhindert, dass die Putzoberfläche, an die später wieder mit Gips angearbeitet werden soll, sich mit Epox vollsaugt. Dies würde zu einer starken Verfestigung führen und einen gleichmäßigen finalen Schliff des Gips vor dem Malern sehr erschweren.

Zurück zum Risse schließen.

Ich verwende ein Bauharz wie Sikafloor 156 von Sika und stelle nach einem sehr sorgfältigen Rühren, durch ebenfalls sorgfältig abgemessene Zugabe von Quarzsand in geeigneter feiner Siebline, mit mehreren Körnungen, einen eher trockenen Epoxmörtel her.

Die ausgefrästen Fugen werden vollständig mit dem Pinsel mit Epoxidharz getränkt. Anschließend lege ich die vorher sorgfältig vorbereiten Armierungsstäbe ein und beginne sowohl den Riss als auch die Nut für die Verklammerung mit dem Epoxmörtel zu schließen. Zum Füllen der Risse verwende ich eine abgekantete Traufel und ein Fugeisen, um das Material in den Riss zu bekommen. 

Wichtig ist, die Fuge nicht bis vollständig zu füllen sondern mindestens 5 Millimeter unter der Fläche zu bleiben, um später die verbliebene Fuge mit dem ursprünglich verwendeten Putzmaterial, wie z.B. Gips, zu füllen. Das sorgt für eine ordentliche Optik und, wie erwähnt, für die Möglichkeit die Fläche zum Schluss einfach mit der Hand eben schleifen zu können.

Die eingelegte Armierung sorgt für Kraftschluss und verhindert ein erneutes Reißen der Wand.

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Wenn jetzt daneben etwas reißt, würde ich mir Gedanken zur Standfestigkeit des Baumaterials machen und den Statiker konsultieren.

Dieses Verfahren wird so auch beim Schließen von Estrichrissen verwendet, wobei hier die Anker häufig nur Blechstückchen sind. 

Bei der Anwendung direkt auf dem Mauerwerk oder Beton wird es etwas einfacher, da hier etwas mehr gekleckert werden kann. Mittels einer Diamantfräse kann hinterher die Wandoberfläche und der Fugenverschluss geglättet werden. 

Der Epoxidmörtel wird sehr fest und ist später ähnlich wie Beton bearbeitbar.

Wenn eine tragende Wand ertüchtigt  oder abgedichtet werden soll, ist dieser oberflächliche Rissverschluss als Vorarbeit vor dem eigentlichen Verpressen geeignet. Erst durch diesen Rissverschluss kann die Wand in voller Tiefe verpresst werden. Was typischerweise mit zementärer Suspension oder einem Reaktionsharz wie Epox oder PU geschieht. Hierzu werden nach dem Schließen der Risse  Bohrungen eingebracht, die die Risse kreuzten und dort mit Packern die Abdichtung von unten nach oben eingepresst.

Hier in diesem Fall der KS Innenwände hat das Klammern funktioniert und es haben sich keine neuen Risse gebildet.

Interessant war, dass die Risse sich im Schwerpunkt an Stellen gebildet hatten, an denen der Dünnbettmörtel zu dünn aufgetragen war und somit den gegenüberliegenden Stein nicht benetzt hatte. Dies hat eine Inaugenscheinnahme ausgetrennter KS Stücke ergeben, an denen das Mörtelbett des verwendeten KS Klebers aufgetrocknet bzw zu dünn war.

Es handelte sich also um einen Bindefehler beim Vermauern durch die damalige Fachfirma.